Ambivalenz der Macht

Jan. 08 2012

Persönlich und digital wieder zu Hause/ Personally and digitally back home

(English version below)

Falls der Eindruck entsteht, hier sei ja seit Ende August nichts geschehen, ist das nur teilweise richtig: Auf Einladung von sagwas.net, einer politischen Plattform für junge Bürger/innen der Friedrich Ebert Stiftung habe ich meine Eindrücke von meiner Lehrtätigkeit in Ifrane, Marokko an der Al Akhawayn University unter 

Spricht Deutschland Politik? und

Eliten fördern! 

veröffentlicht, da ich den Gedanken gut fand, Fragen zur Bildung mit jungen Menschen zu diskutieren, die das Thema schließlich am meisten angeht.  

Bis Ende August 2012 arbeite bin ich nun wieder in Deutschland – und digital geht es jetzt auch wieder hier weiter, allerdings in zwei Sprachen: Deutsch und Englisch. 

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If the impression occurred that here was done nothing here since the end of August, this is only partially correct: On the invitation of sagwas.net, a political platform for young people, funded by the Friedrich Ebert foundation, I blogged my impressions on my teaching at the Al Akhawayn University in Ifrane, Morocco under

Spricht Deutschland Politik? und

Eliten fördern! 

I liked the idea to discuss issues of education with young people, as the subject ultimately concerns them the most. Blogs are in German, though.

Until late August 2012, I am now personally back in Germany - and digitally here as well – from now on in two languages​​: German and English.

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Aug. 28 2011

An even better Ramadan without social pressure

As I am working for an English speaking university in Morocco now until the end of this year, I am changing the language of my postings in English. So my new colleagues and friends will be able to follow this blog as well. 

One inspiration for today’s blog comes from the current Ramadan, the Islam fasting period. I am experiencing it now the third time in my life, once in Syria, two times in Morocco, where it seems to be held very strictly. So without doubt, there are consequences for those not fasting, e.g. you won’t find a restaurant during the day. Fortunately, on the campus here, they provide lunch - but this seems to me a rare exception. Office hours are shortened and people frankly admit that their daily mood is really challenged, especially towards the end of the day. But in general, in my conversations, Ramadan was not questioned and was seen as a very special, spiritual experience. I just met one Moroccon in my whole life who openly would not do Ramadan - though I saw some at the airport eating and drinking during the day, dressed very conservatively, though…;-) 

The other inspiration came from this article (which is in German, I am sorry): http://de.qantara.de/wcsite.php?wc_c=16853&wc_id=17115, written by Emel Zeynelabidin. In brief it says that she agrees with the idea of Ramadan itself in terms of spiritual experience, training self-discipline, enjoying the company of the family even more etc. However, the author finds that this original idea seems to have been lost by a lot of individuals, that they merely fast because of social pressure and end up, e.g. eating all night. 

Zeynelabidin suggests that an honest-minded public and private discussion should start on Ramadan. This would allow non-Muslims to understand better what this is all about - and it might also Muslims allow to decide on their own if they are wiling to fast or not, or just shorter or at a more convenient time of the year etc. She puts an accent on the fact that life conditions for modern Muslims make it really hard for them to pursue their normal professional life plus fulfill the expectations of their social/religious peer group. 

As I am a strong believer that the best results come out of voluntary actions anyway, I definitely agree with her. Plus I would suggest the Catholic church also starts a discussion on rituals like “Kommunion” and “Firmung” - the two social events where children and teenagers confirm their commitment to the church. In my experience it more and more develops towards a big “how-to-get-as-much-presents-as-possible-occasion-and-who-looks-most-fashionable-in-church” and definitely looses the original spirit. Rituals obviously need some check-up once in a while. 

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Juli 16 2011
Das Ärgerlichste am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.
— Kurt Tucholsky

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Juni 30 2011

“Sprichst du Politik?” – online & very alive

Gestern haben wir in der Friedrich-Ebert-Stiftung die Ergebnisse unserer letzten Monate seit Oktober 2011 präsentiert, jetzt auch unter www.sprichst-du-politik.de einsehbar.

Ich habe noch nie so ein Team erlebt: unglaublich motiviert, lernbereit und auch in den schwierigsten Situationen einander unterstützend. Vielleicht das Wichtigste: Wir haben viel zusammen gelacht.

Großes, für uns überraschendes und beglückendes Medienecho - ein Auszug: 

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,771267,00.html - klarer Titel “Was labert der denn?” und viele Zahlen aus der Studie

http://www.n24.de/news/newsitem_7016648.html?id=1176833&autoplay=true - mit Bewegtbild

http://www.vorwaerts.de/artikel/dialog-statt-monolog - schön, dass auch das positives Beispiel von http://www.katja-mast.de/mein-junger-rat-fuer-mast/bundesweit-einzigartig-erfolgsgeschichte-seit-2005/ aus der Politik aufgegriffen wird

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13459164/Politikersprache-ist-fuer-Jugendliche-zu-abgehoben.html

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Was-Schueler-von-Politikerreden-halten_aid_1011994.html

http://www.focus.de/schule/familie/politik-und-jugend-teenager-vertrauen-politikern-nicht_aid_641411.html

http://www.heute.de/ZDFheute/pda/inhalt/0,3729,8248570_imageCheckFlag:0-imageType:M1,00.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/politik-kompakt-china-rollt-den-teppich-fuer-al-baschir-aus-1.1113675-8

http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1686838/Warum-Jugendliche-Politiker-nicht-verstehen.html


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Jan. 07 2011

Born Under a Wanderin’ Star

Meine geplante Berichterstattung über unsere Projektpraxis mit Scrum ist ob des ungeahnten Arbeitsaufwandes (glücklicherweise auch der ungeahnten bisherigen Erfolge;-) etwas ins Hintertreffen geraten. Als Interimsmeldung kann ich sagen: Eine Herausforderung ist sicherlich meine mehrfache Rolle in diesem Projekt: Zum einen Auftraggeberin mit einem enormen Herzblut und Anspruch die Ergebnisse. Zum anderen Project Owner im Scrum-Kontext. Zudem bin ich die Professorin eines Großteils der Studierenden - insofern „lasten“ auf diesem Projekt eine Menge Themen, die es in einem normalen Arbeitsgefüge nicht gäbe. Ergänzt durch eine in Eile errichtete und zwangsläufig nomadenhafte Infrastruktur …

Aus meiner persönlichen Perspektive heraus ist es anspruchsvoll, mit den durchaus wechselnden Anforderungen in Sachen Führung umzugehen: Geht alles gut, wird ein hohes Maß an Mitbestimmung gefordert und auch praktiziert. Geht es nicht so gut, wird schnell der Ruf nach der Entscheiderin laut. Hier unter hohem Zeitdruck immer möglichst klug abzuwägen und wahlweise die Situation zu spiegeln, tatsächlich zu entscheiden oder auch mal nichts zu tun, ist aus meiner Sicht das anspruchsvollste Moment dieser Zusammenarbeit.

Wie auch immer: Ich staune, was wir in diesen wenigen Monaten mit der Unterstützung ganz vieler Wohlgesinnter alles auf die Beine gestellt haben. Und bin gespannt, was in den kommenden Wochen, wenn die Ergebnisse nun dank unserer dank schülerVZ richtig breit angelegten Online-Umfrage unter https://www.soscisurvey.de/sprichstdupolitik/ quantifiziert werden, noch auf uns zukommen wird. Bislang sind wir mit unserem Vorhaben unter einem guten Stern gereist – ich wünsche mir, dass er uns weiter so fürsorglich begleitet.

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Dez. 12 2010

Renaissance der Regeln - Balance der Freiheiten

Nachdem ich vergangenen Freitag und Samstag einen Workshop an der Universität Hannover mit dem Titel “Renaissance der Regeln - Balance der Freiheiten” gegeben habe, passierte auf dem Rückweg folgendes:

Ich steige ins Taxi ein, der Fahrer murmelt mit einem Blick in den Rückspiegel “Festpreis?”. Nach zwei Tagen Workshop mit äußerst reger Diskussion kann ich mich nicht mehr erinnern, was die Hinfahrt kostete, die ganze Situation wirkt sowieso ein bisschen schräg und insofern sage ich: “Danke, mir ist es lieber, Sie machen die Uhr an.”.

Wir stehen im Stau, alles dauert länger als gedacht und kommen ins Gespräch … über mein Workshopthema und auch erneut über den Festpreis. Da wir ohnehin feststecken, krame ich die Quittung der Hinfahrt heraus: 8 Euro. Am Bahnhof angekommen, stelle ich zusammen mit ihm fest, dass er weniger verdient hätte mit seinem Festpreis-Vorschlag und dass Regeln - bei aller Liebe zur Freiheit, die ich hege - durchaus ihre Vorteile haben. Übrigens auch für mich: Der Euro weniger, den ich qua Festpreis gezahlt hätte, hätte mich nicht froher gemacht.

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Okt. 22 2010

Forschungsprojekt „Effekte politischer Sprache“ sucht Lehrer/innen und Schüler/innen

Neun Berliner Studierende (Marketingkommunikation/Gender Studies/Linguistik) forschen im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie mit wissenschaftlicher Unterstützung ihrer Professorinnen die Effekte politischer Alltagssprache auf junge Wählerinnen und Wähler. Dafür suchen wir 16-bis 19-jährige Schülerinnen und Schüler, die wir zu diesem Thema interviewen dürfen - also Berufsschüler/innen sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten.

Unser Ziel ist, zu erforschen, wie junge Wähler/innen politische Sprache wahrnehmen, um auf dieser Basis einen Sprachcodex für Politiker/innen und politische Institutionen abzuleiten. Das Ergebnis unserer Forschung wird durch die Friedrich-Ebert-Stiftung publiziert bzw. soll auch online zugänglich sein - ein Belegexemplar ist für Interessenten also gern erhältlich.

Vorteilhaft für uns wäre, die Interviews in die Unterrichtsstunden zu integrieren. Denkbar ist auch, sie im Rahmen von AGs oder anderen nachmittäglichen Angeboten an der Schule stattfinden zu lassen. Unsere Fragen sind beispielsweise:

• Statistiken weisen aus, dass das Vertrauen in Politikerinnen und Politiker bei jungen Menschen besonders schwach ausgeprägt ist - wie sieht das bei Euch/Ihnen aus?
• Es gibt die Vermutung, dass dieses schwindende Vertrauen mit der Sprache von Politikerinnen, Politikern und politischen Institutionen wie Parteien, Ministerien usw. zu tun hat. - Wie seht/ sehen Ihr/ Sie das?
• Welche Politikerin, welcher Politiker kommuniziert sprachlich Eurer Ansicht nach besonders gut und warum?

Wenn Sie uns Schüler/in oder Lehrer/in unterstützen wollen, freut uns das sehr! Fragen beantworten wir natürlich gern. Unsere Professorin Dr. Bettina Fackelmann übernimmt die Koordination und ist für Fragen erreichbar unter:

0176 48 200 135 oder
030 246 281 84
mail@bettina-fackelmann.de

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Okt. 18 2010

Ein Experiment für die eigene Nase: Scrum

Ein Wunschprojekt von mir wird in Erfüllung gehen: Neun Studierende untersuchen mit Projektmanagement- und wissenschaftlicher Unterstützung das spannende Thema: “Politische Sprache und ihre Effekte auf junge Wähler/innen”.

Wir nutzen dabei “Scrum”, eine Projektmanagement-Methode, die ich in diesem Blog bereits vorgestellt habe: http://ambivalenz-der-macht.tumblr.com/post/1014173627/projektmanagement-f-r-ergebnisoffene-prozesse

Interessant für mich ist schon nach den ersten wenigen Schritten in diesem Projekt, wie meine nunmehr 14jährige Berufs- und Projektmanagement-Erfahrung fröhlich in Frage gestellt wird. Gewohnt, diejenige zu sein, die alles immer im Blick hat, vom Ende her mit Puffer plant, geübt die Balance im Team und zwischen Kunde und Agentur hält - alles Dinge, für die ich geschätzt wurde … plötzlich darf ich als sogenannter “Product Owner” zum Beispiel keinen Zeitplan mehr erstellen. Soll anderen überlassen, wie sie sich am besten selbst organisieren.

Theoretisch bin ich vom Prinzip Selbstorganisation absolut überzeugt, auch praktisch aus der Perspektive als Mitarbeiter/in in wechselnden Kontexten und auch da, wo ich so viel Führungsverantwortung hatte, dass ich inhaltlich nicht mehr im Detail mitreden konnte. Hier könnte ich aber mitreden, könnte - unter anderen Bedingungen - das Projekt auch alleine durchziehen. Habe es mir aber in vollem Bewusstsein gewissermaßen selbst verboten: Der Witz des Projektes ist ja unter anderem, dass junge Menschen andere junge Menschen erforschen.

Insofern wird das ein spannendes Experiment, bei dem ich mich fortwährend an die eigene Nase werde fassen müssen - und ich werde strahlende und nicht so glückliche Momente im Sinne der Befruchtung der Selbstorganisation gern in diesem Blog teilen.

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Okt. 08 2010

Die emotionalen Hürden des Social Web

Gestern moderierte ich einen Open Space mit einem recht diversen Teilnehmer/innenkreis und bekam von zweien mit Workshops etc. unerfahrerenen Teilnehmern das Feedback: Das ist sehr anstrengend, ich fühle mich unwohl. Immerzu muss man sich ausdrücken und passende Begriffe finden, sie auch noch auf Post It‘s schreiben und dann hängen sie da, sichtbar für alle.

So betrachtet ist so ein Open Space  ja quasi Social Web in analog. Und das führte mir klar vor Augen, dass der Erfolg von Social Web Tools nicht nur über Usability im Sinne von “Wie schnell kapiere ich, welche Knöpfe ich drücken muss?” entschieden wird? Dieser Erfolg hat neben dem Selbstvertrauen bzw. der Fehlertoleranz, seine ausgedrückten Gedanken anderen für Zuspruch, Ignorieren oder Kritik zur Verfügung zu stellen, viel mit Affinität zur Sprache zu tun.

Je nach Kultur kann das in die Empfehlung münden, bei der Einführung von Social Web Tools Schreibkurse ins Weiterbildungsprogramm zu integrieren - auch, wenn dies zunächst in einem Land wie dem unseren eigenartig erscheinen mag. Also auch ein sensibles Thema, wie man diese aufsetzt und benennt. Und diese Einsicht fordert die Bildungspolitik, vor allem, wenn man sich die Ergebnisse des Bundesbildungsberichts von 2010 vergegenwärtigt: http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E9541BF871D394A34B714623BE7F725A8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

(Quelle: Die emotionalen Hürden des Social Web)

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Sept. 30 2010

Der surreale Einfluss des Fußballs

Schnappschuss von einer Wanderung im Urlaub …

… es handelt sich um ein Testfeld für Maissorten, vermutlich nicht nur in der Uckermark anzutreffen. Der Einfluss des Fußballs ist definitiv nicht zu unterschätzen.

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Sept. 10 2010
In diesem Sinne verabschiede ich mich in die Ferien auf dem Land … wobei es da für mich Stadtmensch sicher auch viel zu lernen und zu beobachten gibt: Machtstrukturen im Froschteich, Sinnproduktion im Ameisenhaufen, Vertrauensbildung zwischen dem Haushund und mir …
http://www.edutopia.org/images/graphics/001361_13.gif

In diesem Sinne verabschiede ich mich in die Ferien auf dem Land … wobei es da für mich Stadtmensch sicher auch viel zu lernen und zu beobachten gibt: Machtstrukturen im Froschteich, Sinnproduktion im Ameisenhaufen, Vertrauensbildung zwischen dem Haushund und mir …

http://www.edutopia.org/images/graphics/001361_13.gif

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Sept. 02 2010

Ein Wunsch an Thilo Sarrazin und die Wissenschaft

Die Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin hat mir neben all den heiß und kontrovers diskutierten Aspekten vor allem eines gezeigt: Wissenschaft muss anschlussfähiger werden. Damit meine ich: Gegenwärtig trägt die Art der Faktenpräsentation, wie sie von unterschiedlichen Gesprächspartnern bzw. in diesem Fall -gegnern praktiziert wurde, nicht zu einer lösungsorientierten Debatte bei.

Sarrazin selbst ist das beste Beispiel: Wenn er beginnt, sein Gegenüber mit Zahlen argumentativ zu - ich muss in diesem Fall sagen - befeuern, hört die konstruktive Auseinandersetzung eigentlich schon auf. Derart viele Zahlen nur auf der Tonspur serviert zu bekommen, erschöpft. Das mag gewollt sein - aber es führt bestenfalls zu einem sehr kurzfristigen Sieg.

Meine Idealvorstellung ist: Das Buch liegt auch digital vor (tut es ja ohnehin schon). Es hat wie in einer Website Links zu den Forschungsergebnissen, auf die er sich bezieht. Diese und die Diskussion ihrer selbst ist transparent einsehbar und vor allem so attraktiv gestaltet, dass man

  1. Lust hat, sich mit diesen Themen zu befassen (-> Informationsgrafiker dieser Welt, hier schlummert eine echte Mission und Chance),
  2. sich schnell und fundiert eine Meinung bilden kann und
  3. wenn man möchte, diese Erkenntnisse um eigene Beispiele pro oder contra erweitern kann.

Das würde uns als Gesellschaft helfen, mehr als hitzige Debatten in Talkshows. Beim wichtigen Thema Integration wie auch beim Thema Finanzmarktpolitik oder Familienpolitik oder Atomausstieg etc. pp. Die Themen werden uns nicht ausgehen- hoffentlich nicht die Zeit, sie konstruktiv zu lösen, bevor sie uns richtig Probleme bereiten.

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Aug. 26 2010

Projektmanagement für ergebnisoffene Prozesse

Wenn alles gut geht, werde ich kommendes Semester mit Studierenden ein zeitlich und inhaltliches sehr ambitioniertes Forschungsprojekt angehen. Auf der Suche nach einer geeigneten Form, dieses Projekt zu managen, bin ich auf Scrum gestoßen.

Eigentlich kommt es aus der Softwareentwicklung. Und genau vor deren Herausforderung stehen wir auch: Unser Ziel ist soweit klar. Aber jetzt schon genau in einzelnen Schritten festzulegen, wie wir es erreichen, würde die für die Qualität des Ergebnisses notwendige Freiheit und Kreativität einschränken.

Scrum setzt wenige, aber dafür strikt einzuhaltende Regeln, definiert klare Rollen und Verantwortungen und überlässt vor allem dem Entwickler-Team viel inhaltliche Freiheit.

Folgende Übersicht zeigt Prinzip, Rollen und Regeln: http://thecriticalpath.info/wp-content/uploads/2009/04/scrum_overview.gifQuelle: http://thecriticalpath.info/wp-content/uploads/2009/04/scrum_overview.gif

Oder als kurzes, anschauliches Flash-Video dazu: http://www.it-agile.de/scrum-screencast.html

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie das in der Praxis außerhalb der Softwareentwicklung funktioniert und freue mich auf Feedback und Austausch.

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Aug. 18 2010

Nachtrag zum Notenthema

Verrückte Welt der letzten Hochschultage:

  1. Tränen bei einer 1,7 für die Bachelor-Abschlussarbeit.
  2. Schlaflose Nächte und wiederum Tränen am anderen Ende der Telefonleitung bei einer Bewerberin, die nicht angenommen wurde.
  3. Und als Krönung per Mail heute Abend die Frage, ob es Punktabzug gibt, wenn der Korrekturrand bei der Klausur nicht eingehalten wurde.

Aber auch ein Hoffnungsschimmer: Freude über eine 3,0 (Bachelor-Abschluss), weil diese unerschrockene Frau einfach weiß, was sie will und sich meiner festen Überzeugung nach damit auch durchsetzen wird.

Wenn dieser Job eines bei mir motiviert, ist es mehr von dieser Unerschrockenheit zu fördern - und wenn es der Gang nach Bologna ist.

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Aug. 13 2010

Machen Noten die Freude am Lernen kaputt? Von einer wachsenden Überzeugung.

Vorweg: Das ist die private Meinung einer Lehrenden und gleichzeitig Lernenden, die ihre ersten Erfahrungen mit dem gegenwärtigen Prüfungssystem nach der „Bologna-Reform“ macht.

Ich ziehe (mehr oder minder innerlich) die Augenbrauen hoch, wenn die Studierenden bereits in den ersten Veranstaltungen fragen, ob dieser oder jener Lehrinhalt „klausurrelevant“ sei. Eigentlich verhalten sie sich aber nur konsequent. Das, was Lernen meiner Erfahrung nach so attraktiv macht: Sich selbst befähigen, neue Zusammenhänge erschließen, seiner Neugierde und seinem Instinkt auf der Suche nach Einsichten und Informationen nachgehen, die Hoffnung, das große Ganze eines Tages verstehen zu können … all das wird im gegenwärtigen System im besten Fall in engen Bahnen gelenkt, im weniger guten Fall erstickt.

Die Noten setzen dem noch eines drauf, denn sie werden an die Stelle all dessen gesetzt, was ich im Absatz zuvor beschrieben habe. Wenn beispielsweise der Inhalt nicht interessiert und nur „für die Note“ gelernt wird, wird die Freude am Lernen gewissermaßen unterminiert. Reinhard Springer hat dieses Phänomen für Incentives und andere Leistungsanreize in Unternehmen beschrieben: An Stelle der intrinsischen Motivation tritt das zunehmend als sinnentleert empfundene Streben nach noch mehr Geld, mehr Incentives, mehr Gummibäumen im Eckbüro.

Wenn wir Ärzte haben wollen, die wirklich an unserer Heilung interessiert sind; Rechtsanwälte, die für eine faire Lösung kämpfen und insgesamt Dienstleister und Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir gern zusammenarbeiten, sollten wir meiner Überzeugung nach über brauchbare Alternativen zur herkömmlichen Zensureneinöde nachdenken. Und über Möglichkeiten, sie schnell ausprobieren zu können, damit diese langsame Bildungslandschaft Impulse bekommt, sich zu ändern.

Nachtrag aus: Free at Last: The Sudbury Valley School von Daniel Greenberg

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