Privileg der Führung?
Wie mir aus der Seele gesprochen ist der Blog von Christoph Meyer auf dem Portal der “Zeit” http://www.academics.de/blog/index.php/aktuelle-themen/gluecklich-ueberfordert
Seine Beobachtung, dass neue Professoren quasi von Null beginnend in Führungsaufgaben katapultiert werden, ist leider nicht nur in Universitäten und Hochschulen der Fall. Das unreflektierte Prinzip „Hat fachlich Ahnung, ist gut verdrahtet und wird den Rest auch noch hinkriegen“ habe ich auch in Unternehmen angetroffen und ebenso in öffentlichen Strukturen außerhalb der Hochschullandschaft.
„Der Rest“ meint dann unter anderem Führung, für die im Zuge der lang genossenen Ausbildung leider keine Zeit, kein Modul, keine Punkte eingeräumt wurden. Zeit, in der vielleicht auch kein Vorbild den Weg kreuzte. Im Fall des Professoren führt er ja nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern zumindest temporär auch die ihm pro Semester zugewiesenen Studentinnen und Studenten. Diese Ausbildungslücke hat also weitreichende Folgen.
Der Blog deutet an, dass in diesen zahlreichen Fällen nicht „nur“ die Umwelt leidet, sondern - was gern vergessen wird - der privilegierte Professor, Chef oder Vorgesetzte selbst auch. Die privilegierte Stellung verlangt bizarrerweise, dass die Zähne zusammengebissen werden und das eigene Glück hintangestellt wird. Sie könnte ja auch beinhalten, dass ein Training für Führungskräfte, eine Team-Reflexion oder ein Coaching genutzt werden. Wenn schon privilegiert, dann richtig! Passend zum Thema, wenn auch erst mal irritierend: “Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.” - Albert Camus, Fragen der Zeit (Verteidigung der Freiheit).
Für alle, die tiefer in die Materie einsteigen wollen: Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift OrganisationsEntwicklung http://www.zoe.ch/ beschäftigt sich mit den notwendigen Wandlungen in Hochschulen mit der Leitfrage: „Wie wird aus einer lehrenden eine lernende Organisation?“