Ambivalenz der Macht

Apr. 26 2010

Lehre an den Hochschulen: Von der Demotivation der empfundenen Machtlosigkeit

Samstag Abend auf dem tazlab, Diskussion mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Neben mir sitzt ein älterer Herr. Professor, wie es scheint. Wir kommen ins Gespräch und steuern auf das Thema Lehre zu. Auf mein Plädoyer für ein stärker lösungsorientiertes Lehren, mit Methodensicherheit für das Treffen von Entscheidungen, die Zusammenarbeit mit Anderen reagiert er zustimmend, aber müde: „Was wollen Sie denn tun, um da Einfluss zu nehmen?“

Es geht los. In der insgesamt wenig konstruktiven Gesprächsatmosphäre schlägt Schavan sich gut, finde ich. Erfreut höre ich in ihren Ausführungen, dass ein zunehmender Fokus auf die Lehre in der Hochschulbildung gelegt werden soll und dass die Entscheidungen ihres Ministeriums nicht (ausschließlich) politisch, sondern auf wissenschaftlich Ergebnissen basiert getroffen werden sollen.

Auf meine Frage, was sie konkret tue, um diese Ansprüche einzulösen, antwortet sie unter anderem mit Kompetenzzentren. Gestern Abend klicke ich mich lange durch die Seiten des BMBF … ja, da gibt es eine ganze Website http://www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de mit speziellen Forschungsvorhaben zur Lehre, einiges schon 2007 angelaufen, lang laufende Projektprogramme mit lustigen Abkürzungen wie LeLeCon und MogLI, deren inhaltliches Zusammentreffen und Ineinandergreifen sich mir nicht erschließt.

Mein Eindruck: Ein gesellschaftlich grundlegendes und zukunftsweisendes Thema liegt zerfasert vor mir, es kann keine kohärenten Ergebnisse mit nachvollziehbaren Handlungsempfehlungen geben. Das heißt, Entscheidungen können daher dann doch wieder allein politisch motiviert verlaufen. Allein schon, weil keine/r mehr den Durchblick hat, schlechterdings nicht haben kann. Vermutlich bedient das die Interessen von einigen Leuten und Institutionen, vielleicht ist es einfach nur Systemwildwuchs.  

Ich verstehe den älteren Kollegen nun besser. Aber mir gefällt diese demotivierte Haltung trotzdem nicht. – Was kann man tun? Ich habe im Moment eher vage Ideen einer digitalen Plattform für den Austausch von Lehrenden und Studierenden, semantischer Analyse der Ideen und Clusterbildung. Also einer Chance für wirksame Entscheidungen durch Schwarmintelligenz, open-source-Prinzipien und Nachvollziehbarkeit von Empfehlungen … wer beschäftigt sich auch mit diesem Thema, hat Ideen, ist offen für Unterstützung?

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