Ambivalenz der Macht

Juli 01 2010

Die unbewusste Macht der (politischen) Sprache

Beeindruckende Veranstaltung gestern Abend mit Elisabeth Wehling, die uns bei der stiftung neue verantwortung die Erkenntnisse Ihrer gemeinsamen Forschung mit George Lakoff vermittelte.* Die für mich wesentlichen Punkte:

  • Unsere Sprache formt unsere Wahrnehmung mehr als wir uns bewusst sind - durch die sogenannten “frames”, die ich als relativ fest mit einem Begriff verknüpfte Assoziationen verstanden habe. Zum Beispiel: Kind -> Mutter, Vater, Beziehung, Familie. Bedeutsam auch in der Politik bei Wortneuschöpfungen: Z.B. Steuererleichterung -> Steuern sind etwas schlechtes, von dem man sich befreien möchte. Oder: Steuerflüchtling ->Flüchtling = jemand in Not, der sein Überleben sichern muss.
  • Wahlentscheidungen werden weniger aus persönlichem Kalkül getroffen (z.B. weniger Steuern zahlen wollen) als aus dem Empfinden der Übereinstimmung von - glaubwürdig vertretenen - Werten.

Folglich ist es wichtig, eine Kongruenz der eigenen Sprache und des Handelns (im Sinne der Beweisführung von Werten) herzustellen. Was IMHO jedoch nicht zufriedenstellen über “corporate language manuals” sondern primär über Selbstreflexion und -veränderung funktionieren kann. Eben kongruente Handlungen und nicht Worthülsen unterstützend.

Dieser Ansatz eröffnet einen Weg, um die vielbeschworene “Vertrauenskrise” der deutschen Politik, deren Auswirkungen wir ja heute auch bei der Wahl des Bundespräsidenten erleben musste, aufzulösen. Sollte er sich durchsetzen, wird er seine Zeit brauchen … höchst erfreulich finde ich, dass es zunehmend wissenschaftliche Grundlagen für dieses “flüchtige” Thema Sprache in der Politik gibt.

* Auch nachzulesen in: George Lakoff und Elisabeth Wehling: Auf leisen Sohlen ins Gehirn. Politische Sprache und ihre heimliche Macht, Heidelberg: Carl-Auer-Verlag 2008

()

Page 1 of 1